Naturschutz und Erneuerbare Energie

Vogelbestand und Energiewende

Projekttitel: Ursachenanalyse von Bestandsveränderungen bei Indikatorvogelarten und Energiewende

Im Fokus

  • Vogelarten als Indikatoren für biologische Vielfalt
  • Auswertung der Bestandsentwicklung
  • Beurteilung von Gefährdungspotenzialen durch Windergie

Kontakt

Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V.
An den Speichern 6
48157 Münster
Sven Trautmann
Tel: 0251 / 21014014
sven.trautmann(at) avoid-unrequested-mailsdda-web.de

Förderung

FKZ 3514 82 1000
UFOPLAN 2014
Laufzeit: 2014-2017

Das Vorhaben untersucht Veränderungen im Brutbestand insbesondere von Vogelarten, die naturschutzfachlich als Indikator für Artenvielfalt und Landschaftsqualität gezählt werden. In Verbindung mit weiteren Umweltparametern soll analysiert werden, welche Ursachen und Faktoren die Entwicklung dieser Populationen steuern.

Mit dem Vorhaben werden Informationen für die naturschutzfachliche und politische Unterstützung und Kommunikation bundesweiter Indikatoren für biologische Vielfalt (NBS, NHS) aufbereitet. Diese Daten leisten einen Beitrag für die Analyse von Gefährdungsursachen von Vogelarten und stellen die Weichen, um zukünftige Schutzmaßnahmen ausgestalten zu können. Damit die „Convention on Biological Diversity“ (CBD) der Vereinten Nationen umgesetzt und die Berichtspflichten der EU-Vogelschutzsrichtlinie eingehalten werden kann, sollten diese Gefährdungsursachen möglichst genau erforscht werden. Die Erkenntnisse aus dieser Analyse bilden eine Wissens- und Argumentationsbasis für naturschutzpolitische Entscheidungen. Damit wird die Umsetzung von Nr. 2.3 der EU-Biodiversitätsstrategie für 2020 unterstützt, die das Ziel verfolgt, die Kenntnisse über die heimische Biodiversität zu erweitern. Außerdem dient das Vorhaben der Umsetzung des § 6 BNatSchG. Die Ergebnisse zeigen den aktuellen Zustand und die Veränderungen von Natur und Landschaft einschließlich ihrer Ursachen und Folgen auf.

Vorgehen

Die Projektarbeit ist in zwei Abschnitte unterteilt. Im ersten Schritt werden die zu verwendenden Daten aus dem Vogelmonitoring ausgewählt und aufbereitet. Zusätzlich werden Datenreihen zu möglichen Einflussfaktoren auf die Bestandsveränderungen zusammengestellt. Basierend auf diesen Recherchen werden geeignete statistische Methoden für die im zweiten Abschnitt folgenden Auswertungen geprüft und ausgewählt. 

Zunächst wird die Bestandentwicklung (Trends) der Indikatorvogelarten im Hinblick auf regionale und naturräumliche Unterschiede hin untersucht. Dabei werden lang-, mittel und kurzfristige Auffälligkeiten sowie lebensraumspezifische Unterschiede erfasst. Im Anschluss wird dann nach Ursachen für die beobachtete Entwicklung geforscht. Hierzu werden die zusammengetragenen Datenreihen zu einer Vielzahl möglicher Einflussgrößen auf ihren Erklärungsgehalt hin analysiert. Es gilt, die treibenden abiotischen und biotischen Faktoren für Populationsveränderungen zu identifizieren und die jeweilige relative Stärke der einzelnen Faktoren zu beschreiben. Einflussfaktoren, die der Energiewende zuzuordnen sind, werden als Einflussvariable innerhalb der Modellierungen berücksichtigt. Außerdem wird der Aspekt der Lebensraumüberlagerung mit dem Risikofaktor (onshore) Windenergie für sensitive Arten gesondert betrachtet. Bestehende sowie drohende Gefährdungspotenziale sollen aufgezeigt und räumlich untersucht werden.

Aufbauend auf den Ergebnissen der beiden Arbeitsschritte werden naturschutzfachliche Handlungsempfehlungen für verschiedene Landnutzungs- bzw. Bewirtschaftungsformen abgeleitet.

Ergebnisse

Daten aus dem Monitoring häufiger Brutvögel (MhB) eignen sich neben der Überwachung von Bestandsveränderungen auch zur vertiefenden Analyse von Populationsveränderungen steuernden Einflussgrößen. Daten zur Entwicklung potenziell relevanter Umweltparameter können durch statistische Modellierung (gemischte Modelle) genutzt werden, um die Variation in Bestandtrends von Vogelarten oder Artengruppen, die als Antwortvariable fungieren, zu erklären. Voraussetzung ist, dass aussagekräftige Daten zur Beschreibung als relevant erachteter Umweltparameter in geeignetem zeitlichen Umfang und räumlicher Auslösung genutzt werden können. Da Vogelbestände neben regional variierenden lebensraumspezifischen Einflussfaktoren auch durch übergeordnete Faktoren wie Witterung sowie spezifische Arteigenschaften beeinflusst werden, müssen für eine umfassende Analyse bestandsverändernder Treiber eine Vielzahl von Daten vorliegen, die Einflussgrößen direkt abbilden oder stark mit diesen korrelieren. 

Im Rahmen dieses Forschungs- und Entwicklungsvorhaben wurde geprüft, in welchem Umfang Datenreihen zur Modellierung bestandsverändernder Einflussgrößen vorliegen. Für eine Auswahl von Indikatorvogelarten wurden 98 mögliche Populationsdynamik steuernde Einflussgrößen identifiziert und die Verfügbarkeit  geeigneter Datensätze recherchiert.

Während die Datenverfügbarkeit lebensraumspezifisch stark variiert, zeigten sich deutliche Fehlstellen auch im Hinblick auf hoch relevante Einflussgrößen wie z.B. Prädation oder Flurbereinigung. Zwar erlaubt die Datenlage die umfassende Modellierung bestandsverändernder Ursachen für einzelne Lebensräume, eine vollständige Analyse unter Berücksichtigung aller zentralen Einflussgrößen ist zum heutigen Zeitpunkt jedoch nicht möglich. Problematisch ist, dass viele Umweltparameter nicht jährlich (insbesondere Parameter zur Waldentwicklung) und nicht unter Anwendung gleichbleibender methodischer Vorgaben (z.B. Grünlandkategorien) erfasst werden. Daten zu Umweltparametern liegen regelmäßig nur stark aggregiert vor und sind ungeeignet, um regional häufig unterschiedliche Stärken spezifischer Einflussgrößen abzubilden. So sind z.B. Daten zum Pestizideinsatz nur in Form nationaler Absatzzahlen verfügbar. Auch liegen für verschiedene Parameter umfangreiche Rohdaten vor (z.B. Grundwasserabsenkung), die jedoch nicht zeitlich und räumlich aufbereitet und somit für fachfremde Analysen nicht nutzbar sind.

Zugleich wurde deutlich, dass verschiedene Akteure mit der Sammlung und regelmäßigen Fortschreibung von Datenreihen zu wichtigen Einflussgrößen begonnen haben. Auch wenn sich bestimmte Datenreihen wegen vergleichsweise kurzer Laufzeiten aktuell noch nicht für die Analyse von Bestandsveränderungen über längere Zeiträume eignen, sollten diese Datenreihen zukünftig relevant werden. Zudem bereitet das BfN den Aufbau eines bundesweiten Ökosystem-Monitorings auf den MhB-Probeflächen vor, das zukünftig wertvolle flächenscharfe Informationen zur Ursachenanalyse liefern wird.

Arbeitpakete

  1. Ausarbeitung dezidierter Fragestellungen und Forschungshypothesen
  2. Abstimmung des zu bearbeitenden Artenspektrums
  3. Sammlung und Auswahl der für die Analysen notwendigen Datensätze zu Vogelbeständen
  4. Auswahl, Erschließung und Zusammenstellung von Datensätzen zu möglichen Einflussvariablen
  5. Aufbereitung der Daten für die  folgenden EDV-gestützten Auswertungsschritte Auswertungsroutinen
  6. Auswahl und Prüfung statistischer Methoden, Tests
  7. Aufarbeitung von Trendänderungen
  8. Statistische und ökologische Analyse lang-, mittel- und kurzfristiger Trends, Bestimmung sog. Kipppunkte
  9. Regionale Differenzierung von Bestandstrends für Großlandschaften, Naturräume und Bundesländer
  10. Prüfung der Belastbarkeit der berechneten Trends:
  11. Ermittlung von Unterschieden der Bestandsentwicklung in verschiedenen Lebensräumen und Verknüpfung mit Daten zu Lebensraum- bzw. Nutzungsänderungen
  12. beispielhafte Analyse des Einflusses abiotischer (z. B. Flächenverbrauch) und stofflicher (z. B. Stickstoffeintrag) Faktoren auf die Bestandsveränderungen von Vogelarten;
  13. Verknüpfung der Gildenzuordnung mit der Ursachenanalyse für Bestandsveränderungen
  14. Analyse des Einflusses von Schutzgebieten und beispielhafte Ermittlung der Auswirkungen des Schutzgebietsmanagements auf Bestandsveränderungen
  15. Einbeziehung von Intensivbeobachtungsgebieten in die Ursachenanalyse
  16. Publikation der wichtigsten Ergebnisse in Fachzeitschriften

Projektpartner

Projektleitung 
Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V.
An den Speichern 6 48157 Münster
Sven Trautmann
Tel: 0251 / 21014014
sven.trautmann(at) avoid-unrequested-mailsdda-web.de

Malte Busch
Tel: 0251 / 21014015
busch(at) avoid-unrequested-mailsdda-web.de

Fördergeber
Bundesamt für Naturschutz (BfN)
II 1.3 Monitoring
Konstantinstr. 110
53179 Bonn
Rainer Dröschmeister
Tel: 0228 - 84 91 1461
DroeschR(at) avoid-unrequested-mailsBfN.de 

Weiterführende Links

Leitthema

Artenschutz 
Seite empfehlen

Zum Thema

07.12.2018

Wirksamkeit von Maßnahmen gegen Vogelkollisionen an Windenergieanlagen

Eine jetzt in der Reihe BfN-Skripten (Nr. 518) erschienene Publikation stellt dar, welche Erkenntnisse es zur Wirksamkeit einer Reihe bekannter Vermeidungsmaßnahmen an Windenergieanlagen gibt und wo noch Untersuchungsbedarf besteht.

Weiter

07.12.2018

Arbeitshilfe arten- und gebietsschutzrechtliche Prüfung bei Freileitungsvorhaben

Der Leitfaden ist aktuell in der Reihe BfN-Skripten (Nr. 512) erschienen und soll konkrete Beurteilungsmaßstäbe im Zusammenhang mit arten- und gebietsschutzrechtlichen Prüfungen beim Stromnetzausbau zur Verfügung stellen.

Weiter

06.11.2018

Broschüre zum Forschungsfeld Naturschutz und erneuerbare Energien

Der globale Artenrückgang und der Klimawandel sind eng miteinander verknüpft und reichen bis in die einzelnen Regionen Deutschlands herein. Um unsere Artenvielfalt zu erhalten, ist Klimaschutz dringend geboten – und mithin der Umstieg auf erneuerbare...

Weiter

Ähnliche Projekte

Wir benutzen Cookies, um Ihnen die Inhalte und Funktionen der Website bestmöglich darzustellen. Zudem verwenden wir ein statistisches Analysetool, um zu verstehen, auf welche Weise unsere Seite genutzt wird, um entsprechende Verbesserungen daran vorzunehmen. Wenn Sie keine Cookies akzeptieren, können Sie diese in Ihrem Browser deaktivieren sowie einen Opt-Out-Cookie hinterlegen, um die Speicherung von Nutzungsdaten zu verhindern. Einen entsprechenden Link finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können dann immer noch unsere Website besuchen, Ihre Sitzung wird jedoch nicht ausgewertet. Mehr Informationen und Möglichkeit zur Deaktivierung.